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VIRTUELL DEN NOTFALL ÜBEN

Unter der Schirmherrschaft des WFVD entwickelt die Northdocks GmbH eine offene, transparente, leicht verwendbare, bezahlbare und über das Internet zugängliche Trainingsplattform mit virtuellen Trainings.

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Raimund BücherCorona hat der Digitalisierung in Deutschland einen riesigen Schub gegeben. Als Schulen und Behörden über Wochen dichtmachten, Betriebe ihre Mitarbeiter zur Heimarbeit aufforderten, entdeckte eine ganze Nation, was man inzwischen alles schon über das Internet abwickeln kann: Unterricht per Rechner, Meetings per Laptop und – wie gesagt – Arbeit aus dem Homeoffice. Doch Corona hat zugleich gezeigt, dass Deutschland insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter lebt. Immer noch ist das Internet mentales Neuland.

Als die Bundeskanzlerin vor nahezu acht Jahren diese Formulierung wählte: „Das Internet ist für uns alle Neuland“, wurde sie verhöhnt und verlacht. Sie formulierte mit ihrem Statement unter anderem die Probleme, uns bekannte Vorschriften und Regelungen vom analogen in den digitalen Raum zu übertragen. Noch immer sind erhebliche Veränderungen erforderlich. Die Corona-Krise hat aufgezeigt, wie aktuell diese Qualifizierung geblieben ist. Das zeigt sich besonders in der Abwicklung jener Vorgaben, mit denen Infektionsketten nachverfolgt werden sollen. Täglich wurden Millionen von Zetteln ausgefüllt, auf denen Besucher von Imbissen, Bars und Gaststätten notieren, an welchem Tag um welche Uhrzeit mit wem sie an welchem Tisch gesessen haben. Oft wurde ihnen dazu ein Stift in die Hand gedrückt, den zuvor schon Dutzende andere angefasst hatten. Abgesehen von der zusätzlichen Infektionsquelle: Diese Art der Datenerhebung machte es im Falle eines Falles immens schwer, nahezu unmöglich, in der nötigen Geschwindigkeit Infektionsabläufe nachzuvollziehen. Einige wenige Restaurants zeigten, wie es auch ginge: Dort konnten die Besucher mittels QR-Code ihre Daten vom Smartphone in eine Datenbank senden, in der die Daten auf Knopfdruck verfügbar sind. Kein mühsames Suchen durch Berge von Zetteln. Schnell, kontaktlos, effizient. So könnte es gehen. Aber in zu vielen Fällen tickt Deutschland immer noch anders. Kann es sein, dass Deutschland in großen Teilen die Digitalisierung nicht einmal verstanden hat? Vorübergehend erledigt hat sich diese Frage im Hinblick auf die Restaurants, denn die haben inzwischen wieder geschlossen.


 

Nein, die Übertragung von Schulunterricht per Video hat mit digitalem Lernen nichts zu tun. Bei wirklicher Digitalisierung in der Ausbildung muss es auch um neue Lerninhalte, interaktive und personalisierte Lernprogramme gehen. Wie Pilze schossen die neuen Ausbildungstools aus dem Boden – alle machen e-Learning oder eben Virtuell Reality (VR). Genau dort hat der WFVD in seiner Initiative „Zusammenarbeit 4.0“ angesetzt und beim 3. Workshop die schon mehrmals angekündigte – übrigens weit vor Corona initiierte - VR Plattform verabschiedet. Die Einführung in die Feuerwehrwelt ist jetzt zum Ende des Jahres 2020 real geworden. Virtual Reality (VR)- und Augmented Reality (AR)-Anwendungen werden Ausbildung nachhaltig verändern. Wir helfen dabei mit und machen solche Optionen auf unserer Plattform auch den Kameraden aus dem öffentlichen Bereich zugänglich.

 

Zusammenarbeit 4.0 

Die Plattform mit ihrem solidarischen Modell zur Nutzung von VR in der Aus- und Fortbildung ist in unserer Initiative Zusammenarbeit 4.0 nur der erste Schritt. Das Thema bot sich an, denn Ausbildung ist für die Mannschaft eines jeden Bereiches relevant. Ein erneuter Schwenker in den öffentlichen Bereich – ist Industrie da wirklich besser? – mag verdeutlichen, dass der Handlungsbedarf zur Zusammenarbeit weitaus größer ist und wir den Blickwinkel erweitern müssen. 40.000 verschiedene Software-Programme sind nach Expertenschätzungen derzeit in der öffentlichen Verwaltung im Einsatz. Die meisten sind miteinander nicht kompatibel. Das erschwert die innerbehördliche Kommunikation, von Kommunikation mit anderen ganz zu schweigen. Ein erster – wirklich wichtiger Bereich in der Digitalisierung – ist die Kommunikation. Sie verändert sich, und damit auch die Zusammenarbeit. Unbestreitbar gilt dabei: Digitalisierung braucht Führung! Der notwendige Treiber der Digitalisierung, das Top-Management, muss die Digitalisierung vorleben und Commitment zeigen. Digitalisierungsprojekte müssen übergreifend gesteuert werden und sich an einem Ziel- und Leitbild orientieren. Es ist eindeutig: Über Digitalisierung kann man nicht zu viel kommunizieren.

 

Zum Zweiten wird das schon lange bekannte Schnittstellen-Thema in Zeiten von 4.0 besonderes Gewicht erhalten und noch zwingender zu bearbeiten sein als zuvor. Denn wie beschrieben, liegen Daten in verschiedenen Quellen, die ohne professionelle Hilfe schwierig miteinander zu kombinieren sind. Investitionen in einzelne digitale Lösungen führen aber nicht zur Digitalisierung des Gesamtsystems. Die Folge: Es entstehen nicht bewertbare Pilotprojekte oder Insellösungen, die personelle und finanzielle Ressourcen erfordern, aber keine quantifizierbaren Vorteile bringen, beziehungsweise nicht genutzt werden. Die Digitalisierung braucht passende Technologien und entsprechende Lösungen. Ebenso wichtig ist aber, dass die gesamte Organisation mit der Digitalisierung wächst und sich auch die Unternehmenskultur weiterentwickelt: Neue Kompetenzen bei den Mitarbeitern müssen aufgebaut, Rollen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe aktiv und zielorientiert angepasst werden.

 

Der digitale Workshop

Ich werte es schon als etwas Besonderes, dass sich mittlerweile 65 Teilnehmer zum dritten Workshop der Initiative Zusammenarbeit 4.0 bereithielten und Interesse wie auch Willen zur Mitarbeit zeigten. Nein, Ende September konnten wir auch in diesem Fall keine Präsenzveranstaltung aufziehen. In einem Kreis, der sich mit 4.0-Themen beschäftigt, liegt die Lösung aber auf der Hand: Wir machen eine digitale Veranstaltung! Wenn nicht wir, wer sonst? Wobei es schon eine Herausforderung darstellt, wenn 65 Teilnehmer miteinander diskutieren wollen. Hinzu kommt: Die Grundidee eines jeden Workshops besteht darin, dass Gruppenarbeit die Kreativität kitzeln soll. Gruppenarbeit digital? Ja, neue Wege braucht das Land. Ich kann voller Stolz berichten, Gruppenarbeit geht auch online, und es tut der Qualität der Arbeit keinen Abbruch. Das führt zum zweiten wichtigen Punkt: Die, die jetzt mitwirken, sind die Willigen, die Offenen. Ein jeder hat ein, zwei, drei oder mehr neue Tools und Anwendungen kennengelernt, wie solch eine Arbeit aussehen kann. Diese kleinen gemeinsamen Erfolge nimmt uns niemand mehr. Zugleich ist uns bewusst geworden: Die digitale Bewegung kommt nicht mit einem Urknall, sondern mit vielen Schritten, kleinen Erfolgen und Misserfolgen in Offenheit. Learning by doing – genauer gesagt: Lernen durch Anwenden – so bewegen wir uns zwar nicht immer schnurgeradeaus, aber letztlich doch voran. Diese Erfahrungs- und Lernprozesse verändern den Mindset – das macht die Revolution aus!

 

Die VR-Plattform ist das erste greifbare Ergebnis unserer Initiative, wir können es auf der Erfolgsseite verbuchen. Was ist nun der nächste Schritt? Unser zweites Projekt, das wir gemeinsam im Workshop definiert haben, dreht sich um „Geräteprüfungen und Wartungszyklen“. Ein Team wird sich um zyklisch
wiederkehrende Prüfungen – wie bei Feuerlöschern, Brandschutztüren, Pumpen, bei Fahrzeugen, Messgeräten und im Atemschutz üblich – und um den Einsatz von Sensoren, Statusmeldungen o.ä. im
Sinne „proactive“ und „predictive maintenance“ kümmern. Ziel ist – so die Vorgabe für die Betrachtungen – eine partiell übertragbare Lösung, die nutzbar für andere sein kann. Der Plattform-Gedanke ist auch hier Blaupause für gemeinsame Ansätze und Zusammenarbeit.

Stellen Sie sich das doch einmal vor: Die Pumpe, die lange vor dem fälligen Wartungstermin selbst den Termin für den Prüfer klarmacht oder auch schon das erforderliche Ersatzmaterial auf den Weg bringt … Aber, bei allem Enthusiasmus für diese technologischen und organisatorischen Möglichkeiten haben wir noch einmal ausdrücklich festgehalten: Die Cloud jeglicher Art ist das Mittel, nicht der Zweck. Digitalisierung ist kein Selbstzweck.
Die spannende Zusammenarbeit wird fortgesetzt, und im März 2021 wird Neues zu berichten sein.

 

Workshop-Atmosphäre spürten auch die Teilnehmer der „Herbsttagung“. Muss ich noch ausdrücklich erwähnen, dass dies unsere erste informelle Online-Mitgliederversammlung war? Neben dringend zu regelnden vereinsrechtlichen Dingen – für die wir ein rechtskonformes, schriftliches Abstimmungsver- fahren genutzt haben – beherrschte das Thema Corona auch hier die Diskussion. Wie den Bestand sichern? Wie dem Auftrag, Informationen zum betrieblichen Brandschutz verteilen, folgen, wenn allenthalben die Pandemie den Auftritt behindert? Neue Wege braucht das Land. Wenn auch merklich anders, wir müssen und werden weiterhin netzwerken. Für uns heißt das: Das „Online-Symposium des WFVD“ wird eine eigene Marke! Wir erweitern damit unser Veranstaltungsangebot. Das Konzept, das wir ursprünglich nur entwickelt hatten, um im „Corona-Jahr“ eine Alternative zu unserem gestrichenen September-Treffen in Bad Dürkheim anzubieten, erwies sich als Volltreffer. Ich darf Sie jetzt schon herzlich einladen zu unserem zweiten Online-Symposium am 16. März 2020. Das heißt aber nicht, dass wir uns fortan nur noch digital austauschen! Die Fachzeitschrift WFV INFO ist für uns weiterhin ein wichtiges Sprachrohr für die Meinungsbildung. Und niemand wird glücklicher sein als ich, wenn ich Sie endlich wieder zu Präsenz-Veranstaltungen einladen kann. Sobald es wieder möglich wird, treffen wir uns „in echt“ und nicht nur auf dem Bildschirm.

 

Bewegung digital

Am 17.09.2020 wurde die Studie „Digitale Transformation in der zivilen Gefahrenabwehr“ abgeschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert. Die vorgelegte Studie (zu finden unter www.blaulicht.digital) offenbart aus Sicht der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb):

  • „ ... einen erheblichen Rückstand der Gefahrenabwehr in der digitalen Transformation und eine diesbezüglich große Unzufriedenheit der Mitwirkenden.“
  • „Über die Hälfte der Umfrageteilnehmer hat den Eindruck, dass das Thema der digitalen Transformation in ihrer Organisation ,nie‘ bis ,eher selten‘ diskutiert wird.“

Wie gesagt, Deutschland lebt insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter. Immer noch ist das Internet mentales Neuland. Die vfdb fordert die Bündelung von Aufgaben, die sinnvollerweise einheitlich und zentral gelöst werden müssen, wie zum Beispiel die Ermittlung von Bedarfen und Standardprozessen, die Definition von Datenstandards und Schnittstellen. Die Forderung ist berechtigt, aber wer macht’s? Wir als Industrie versuchen die Versierten und Interessierten von Anwendern, Forschern, Herstellern und IT-Anbietern zusammen zu bringen. Das heißt: Wir fangen schon ‘mal an zu bündeln und vorzubereiten. Ist dafür – wie vom vfdb gefordert – die Schaffung einer weiteren Behörde erforderlich? Aus unserer Sicht nicht, aber natürlich sind wir stets zur Kooperation bereit.
Wir wollen das Bewusstsein schärfen, den Mindset ändern – statt des kleinsten gemeinsamen Nenners brauchen wir den kleinsten gemeinsamen Sinn!

 

Den kleinsten gemeinsamen Sinn? Das ist vielleicht der Ansatz in vielen Bereichen. Wenn schon Corona bewirkt hat, dass Familie mehr zusammenrückt, wieviel mehr gilt das, was uns im ganzen Jahr beschäftigt hat, gerade auch zu Weihnachten? Die über Land erkennbaren Ansätze von Solidarität, die Welle der nachbarschaftlichen Hilfe – ist das jetzt Ausdruck neu erkannter Nächstenliebe? Vielleicht können wir dieses Wiedererlangte doch erhalten? Das ist mir wesentlich lieber als jede lautstarke Verballhornung doch gemeinschaftlich zu tragender Nöte. Und wenn sich dann gar politische Agitation – von rechts oder links – der Besorgten und Bewegten bemächtigt, geht es ganz in die falsche Richtung. Ewig-Gestrigen gönnen wir das Wort nicht, wir positionieren uns deutlich gegen jede Vereinnahmung! Wir Feuerwehr- leute wissen: In Krisensituationen braucht es Ausdauer und Kondition. Beides hilft auch, die Corona-Zeit durchzustehen, jeden einzelnen Tag davon mit dem gleichen Ritual: Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske tragen! Und nein, Minimalanforderungen sind kein Eingriff in unsere Grundrechte.

 

Bitte blocken: Termine im kommenden Jahr!

Vom großen Ganzen nochmal zurück zu unserem Verband und der Planung für 2021. Wie schon erwähnt, wir haben beides vor: eine weitere online-Veranstaltung in so unglaublich erfolgreicher Manier, aber auch das Traditionelle, womit an erster Stelle das Symposium in Bad Dürkheim gemeint ist. Allerdings: Alle Planung ist natürlich abhängig von der Lage. Auf der Herbstsitzung hat der WFVD beschlossen, das für Januar 2021 angesetzte Symposium in Berlin abzusagen – ebenso wie die Teilnahme an der Interschutz 2021, die aber zwischenzeitlich vom Veranstalter selbst gecancelt worden ist. Fest gesetzt hingegen ist der 16. März 2021 für das 2. Online-Symposium aus der Marienburg in Monheim am Rhein, bitte blocken Sie dafür Ihren Terminkalender!
Auch das Symposium in Bad Dürkheim ist nun als Präsenzveranstalttung abgesagt, wir treffen uns online: 21. September 2021

 

Ihr Raimund Bücher     

- Dante Alighieri

Raimund BücherAlle warten auf die Impfung. Das von uns allen erwartete Heilmittel steht aber erkennbar noch nicht in erforderlichem Umfang zur Verfügung. Das können wir bedauern, ändern können wir es wohl nicht. Es bleibt uns nichts anderes als zu warten, dass die Zeit sich wandelt.

Corona und …
Der Vormarsch der Mutationen macht deutlich, wie wichtig die Impfkampagne ist. Auch wenn viele Mutationen wohl nicht gefährlicher sind als das ursprüngliche Virus, gibt es jedoch Hinweise, dass sie möglicherweise ansteckender sind. Und mit einer höheren Anzahl an Infizierten steigen die Zahl der Schwerkranken und die Belastung des Gesundheitssystems. Darum sind alle Anstrengungen wichtig, um das Impfen voran zu bringen.

 

Noch bremst der Mangel an Impfstoff das Vorankommen. Doch in ein paar Wochen könnte sich das Blatt wenden. Wenn mehr Hersteller am Markt und genug Impfstoffe vorhanden sind, wird sich zeigen, ob die Organisation der Impfkampagne etwas taugt. Lassen Sie uns hoffen, dass die Verteilung der Menschen und Impfstoffe auf die Impfzentren – unter voller Ausschöpfung aller Kapazitäten – besser klappt als die Terminvergabe, wie wir sie bislang erleben.

Und lassen Sie uns in der Ordnung bleiben: Die Vorschläge der Impfkommission zur Reihenfolge, wer wann geimpft werden soll, helfen uns Diskussionen aus Neid und sonstigen Triebfedern vermeiden. Auch wenn die eine oder andere Einstufung nicht für jeden nachvollziehbar ist: Es hat sich schlicht niemand vorzudrängen!

Mich beruhigt, dass für die Zulassung weiterer Impfstoffe in der EU Zeit benötigt wird, weil ausreichend Sorgfalt der Grund dafür ist. Ich fasse mich lieber weiter in Geduld, halte mich weiter an bekannte Konzepte auf Abstand und Vereinzelung und werde gut bedacht versorgt, als dass schnelle Lösungen aus Russland oder China aus weltpolitischen Gründen hier auf den Markt gebracht, eben diesen überschwemmen und Risiken noch weniger kalkulierbar würden als vordem.

Dass wir jetzt überhaupt über die Verteilung nachdenken können, ist den Leuten zu verdanken, die wie Biontech schon vor der Zeit kräftig angepackt haben und handelten. Solchen Wissenschaftlern gebührt unser aller Dank. Frei nach Tommy Lasorda dem vor kurzem verstorbenen Baseball-Hero der Los Angeles Dodgers: „Der Unterschied zwischen dem Unmöglichen und dem Möglichen liegt in der Entschlossenheit einzelner Personen“. Dass die Forscher mehr über das Entwickeln eines Impfstoffes nachgedacht haben als über die Produktion ausreichender Mengen an Impfstoff oder die Verteilung derselben, kann man diesen Forschern doch wohl nicht zum Vorwurf machen. Das ausgerechnet Biontech jetzt über weitere Produktionsstandorte und den Einsatz von Logistik-Software nachdenkt, spricht für wenig Vertrauen in staatliche Fähigkeiten.

Wichtig, dass Bund und Länder weiter lernen: keine unerfüllbaren Erwartungen wecken, aber auf Strukturen zurückgreifen, die sich am Markt bewährt haben. Warum nutzt man für eine Terminvergabe nicht bundeseinheitlich so etwas wie eine Ticketsoftware, die im Kulturbereich schon lange erprobt ist? Die Diskussionen um unterschiedliches Herangehen in den Ländern hätte man sich doch wirklich sparen können.

Die Zeit wandelt sich sicher und die Kampagne „Deutschland krempelt die Ärmel hoch“ bekommt Schwung, wenn genug Impfstoff vorhanden ist und niedergelassene Ärzte impfen können, wie sie es beim Grippeschutz schon einige Jahre machen. Umso wichtiger, dass dann die Logistik läuft.

 

Das 2. Online-Symposium

„… der andere packt sie kräftig an und handelt“, ich möchte den zweiten Teil des Dante-Zitats zum Umgang mit der Zeit und dem Wandel nochmal aufgreifen. Vor gut sieben Jahrhunderten hat er diese Zeilen verfasst – und was fällt mir bei der Lektüre als erstes ein? Die Organisation unseres ersten online-Symposiums im September letzten Jahres! Auftritt und Rahmenbedingungen – z.B. der kostenlose Zugang – führten zu sagenhaftem Erfolg wie berichtet, haben aber die Kasse auch ordentlich belastet. Die Notwendigkeit, unser Netzwerk trotz Corona weiter bedienen zu müssen, verlangt die Wiederholung. So entschieden die Mitglieder im WFVD dann auch logisch, dass statt des ausgefallenen Symposiums in Berlin im Januar 2021 eine Online-Veranstaltung stattfinden muss. Der grundsätzliche Ansatz, kostenlos Zugang gewähren, wurde bestätigt, der finanzielle Rahmen allerdings erheblich eingeschränkt. Erste Reaktion der Ausführenden: nicht zu schaffen! Allerdings besteht doch dem Schriftsteller Marcel Aymé zufolge „das größte Vergnügen im Leben darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertig bringt!“

 

Wir haben es fertiggebracht – unser zweites Online-Symposium! Der kurze Bericht über das „Making off“ in dieser Ausgabe der WFV INFO lässt erahnen, was da zu stemmen war:
Vorgaben zu Covid 19 ließen selbst einen abgespeckten Auftritt in der Marienburg in Monheim nicht zu. Alle Beteiligten – Referenten wie Moderatoren - wurden dieses Mal deshalb „zugeschaltet“. Gab es beim ersten Mal im September 20 noch die aufregende Situation der Zuschaltung zweier Kollegen aus München, kam die Sendung jetzt alternativlos komplett aus dem Studio der Fa. Latteyer – also wirklich online.

Insgesamt 35 Aussteller umrahmten das Symposium mit Ihren online-Werbungen und halfen über ihren Beitrag zum finanziell positiven Abschluss der Veranstaltung. Allen Mitwirkenden sei an dieser Stelle Dank gesagt.

Ihnen, liebe Leser, bleiben die Vorträge und Beiträge in bekannter Manier verfügbar, in der WFV INFO oder hier auf der Internetseite wfvd.de.

Da berichten Experten von Currenta über Erfahrungen und Ergebnisse von Gefährdungsbeurteilungen zu „Psychischer Belastung“ bei Werkfeuerwehren oder Vertreterinnen der Berliner Feuerwehr von einem Forschungsprojekt „posttraumatische Belastungsstörungen bei Feuerwehrleuten“. Da zeigen Vertreter der großen Hersteller ihre Beiträge zum Thema 4.0 oder öffnet Stefan Truthähn von hhp Berlin den Blick auf die Stadt der Zukunft.

 

4.0 Zusammenarbeit

Ebenfalls im März 2021 startete der nunmehr 4. Workshop zum Thema 4.0 Zusammenarbeit. Immer noch treibt uns die Fragestellung an: Was muss sich ändern in der Zusammenarbeit aller Handelnden, wenn die Digitalisierung wahrlich als eine Welle über uns kommt? Die erste Initiative des Arbeitskreises war die Ihnen bereits bekannte VR-Plattform. Diese wächst weiter: Einer der großen Hersteller hat gerade seine Kampagne mit neuen Beiträgen zur Plattform unter die Leute gebracht. Wie berichtet, wenden wir uns dem Thema „predictive maintenance“ zu. Einzelnen Kritikern der Initiative sei mit Hermann Hesse entgegnet: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Stephan Hummel zeigte beim Online- Symposium den Einsatz von Drohnen zur Einsatzleitung im Krisenmanagement – die Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

 

Ausblick 2021 ff

Allem Drängen nach Präsenzveranstaltungen zum Trotz hat der WFVD Anfang März das Symposium in Bad Dürkheim 2021 abgesagt. Die „Impf-Garantie“ der Bundeskanzlerin, nach der jedem Willigen bis September eine Impfung angeboten werden soll, kam für unsere Terminierung zu knapp. Wir werden als Ersatz wiederum eine Online-Veranstaltung anbieten. Blockieren Sie bitte Dienstag, den 21. September 2021.

Fest im Plan, und dann als Präsenz-Veranstaltung, steht im Januar 2022 das Berlin-Symposium: 13.+14. Januar.

Für diesen Standpunkt habe ich mich – wie Sie gemerkt haben – von Dichtern und Schriftstellern inspirieren lassen. Keiner von ihnen konnte Einspruch erheben. Doch was würde Dante tun, wenn er wüsste, dass ich ihn nicht nur zitiere, sondern seine Worte zu guter Letzt im Sinne unseres Verbands auch noch ein wenig abwandeln will? Er würde mich mit seinem Federkiel mitten ins feurige Inferno seiner „Divina Commedia“ stoßen! Sei’s drum, wozu bin ich Feuerwehrmann?

Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der WFVD packt sie kräftig an und handelt.

Ihr Raimund Bücher

(Engelbert Schinkel)


Raimund BücherDie Editorin der Zeitschrift GIT betrachtete in Ausgabe 8/2019 die Frage nach der Perspektive in einem Artikel, der mich zu folgenden Überlegungen brachte, die nun wirklich auch zu aktuellen Geschehnissen in der Feuerwehrwelt passen:

Wahrnehmung ist ein Prozess, der schon im Kindesalter sehr differenziert erlernt wird. Das Kleinkind folgt bereits Veränderungen, etwa wenn Mutter und Vater sich nähern. Die Möhren schmecken gut, Spinat gehört nicht zu den Lieblingsspeisen. Wenn abends zum Feierabend Eltern erwartet werden, ruft der Schlüssel in der Haustür schon Freude im Gesichtsausdruck hervor. Neben dem tastenden Begreifen, dem Erlernen durch Riechen und Schmecken, lernt das Kind schon in jungen Jahren mit allen Gefühlen umzugehen, die Umwelt wahrzunehmen und einzuschätzen. Häufig heißt es dann „Kinder leben in ihrer eigenen Welt“. Das ist ganz schön hochnäsig aus Sicht der Erwachsenen, denn, gilt das nicht auch noch bei Erwachsenen?

Wahrnehmung ist der Prozess und das Ergebnis der Informationsgewinnung und -verarbeitung von Reizen aus der Umwelt und dem Körperinnern des Lebewesens“ (Wikipedia).  Werden also alle Umwelteinflüsse berücksichtigt, dann wird klar, dass jeder Entwicklungsstatus zu unterschiedlicher Verarbeitung führt. Aktuelle, insbesondere politische Entwicklungen, zeigen jedoch, dass Erfahrung nicht rein ein Lernprozess kindlicher Entwicklung sein kann. Dazu formulierte Immanuel Kant: „Erfahrung ist eine verstandene Wahrnehmung.“ Der erste Schritt liegt also in der Wahrnehmung – diese muss verstanden werden, um Erfahrung zu erleben.

Ein großer Stolperstein ist die Differenz der Realitäten. Der Eine nimmt etwas auf seine Art wahr, der Nächste schon wieder völlig anders. Und doch glauben beide, dass die ihrige Version die Richtige sei. Sie sehen keine Differenz zwischen subjektiver Wahrnehmung und Realität. Im Gegenteil – ihre Art der Wahrnehmung bestimmt in der Folge auch ihre Verhaltensweisen. Ihre Wahrnehmung entspricht ihrem Wissen, sie setzen beides gleich!

Von großer Bedeutung und mitunter von schlimmem Ausmaß ist es, wenn Menschen, deren Wahrnehmung deutlich von der Allgemeinheit abweicht, eine entscheidende Machtposition innehaben, in der sie ihre Führungsgewalt ihrer Wahrnehmung entsprechend ausführen. Sie glauben, ihr Handeln sei absolut. Sie drängen ihre Sicht der Dinge nicht nur ihrer direkten Umgebung auf, nein, sie drängen sie in der Politik gar ganzen Ländern und Kontinenten, wenn nicht dem Weltgeschehen auf. Wenn sie in ihrer unreflektierten Wahrnehmung dabei auf immer größeren Widerstand stoßen, liegt es an der Wahrnehmung der anderen, nicht aber an der eigenen. Besonders schlimm wird es und zu großem Schaden für alle Beteiligten, wenn alles in den Medien ausgefochten wird.

Letztlich liegt der Kern vieler Entwicklungen dann doch in der Tatsache, derer wir „Kinder“ beschuldigen: Jeder lebt in seiner eigenen Welt.

Am Ende des Jahres will ich Ihnen mit dieser Erkenntnis nicht den einen Rückblick, sondern die Rückschau aus meiner Wahrnehmung heraus bieten. Ich hoffe, dass diese Ausführungen weitestgehend unseren unterschiedlichen Realitäten entsprechen, wenn ich mir auch bewusst bin, dass wir in einer eigenen Welt agieren.


Symposien und Messen

Ob unsere Symposien in Berlin anfangs des Jahres oder in Bad Dürkheim im Herbst, ob unsere Messeauftritte zur Rettmobil, zur Florian, zur Feuertrutz oder jetzt gegen Ende des Jahres zur A+A – immer waren es Einzelnen, die die Dinge vorangetrieben haben. Wenn auch der grundsätzliche Auftritt gemeinsam festgelegt wurde, so bleibt es das Engagement, der Ideenreichtum und der Biss des Einzelnen, die den Erfolg ausmachen. Jedem, der so unterwegs war, ein herzliches Dankeschön. Der Einzelne wirkt aber auf Dauer nicht, wenn er nicht im Netzwerk gebettet ist. So danke ich allen, die sich im Team eingesetzt haben – das macht unseren Erfolg aus.

An den Symposien mache ich es fest. Drei Viertel der Teilnehmer haben uns Rückmeldungen gegeben – danke dafür. Wenn 100% der Bewertenden testieren, dass ihre Erwartungen gut/sehr gut erfüllt wurden, die Durchführung in Vorträgen und die Organisation zu 98% das gleiche Ergebnis bekommen, kann nicht viel falsch gelaufen sein. Im obigen Sinne haben wir es wohl wirklich geschafft, gemeinsame Realitäten zu schaffen. Wir erhielten Bestätigung und deshalb ist es logisch, den Weg weiterzugehen. Die nächste Gelegenheit ergibt sich am 16. und 17. Januar 2020 in Berlin. Melden Sie sich an!

Auch in Düsseldorf, anlässlich der A+A, lässt sich Gleiches zusammenfassen. In bewährter Weise kombinierte der WFV NRW bei seinem Auftritt die praktische Übung – Auszubildende im Berufsbild Werkfeuerwehrmann /-frau kamen zu ihrem ersten Einsatz – mit den Präsentationen und Inhalten zu aktuellen Themen von „Freimessen“ über „Löschwasserrückhaltung“ bis hin zu „4.0“ und angewandter Digitalisierung in betrieblicher Brandschutzausbildung. Daneben bedienten wir die Klientel mit Vorträgen im Forum zu Notfall- und Krisenmanagement oder brachten mit unseren Arbeitskreisvertretern unsere Kompetenzen im Atemschutz beim neu geschaffenen Atemschutzworkshop ein. Alles in allem ein gelungener Auftritt – danke den Mitwirkenden. Es geht eben doch am besten im Team.

Eine Besonderheit ist aus diesem Jahr zu berichten: Die stete Bemühung um Kooperation mit dem Arbeitsschutz, die Bearbeitung manchen Themas aus der Schnittmenge Brandschutz/Arbeitsschutz und unser steter Auftritt als Experten des betrieblichen Brandschutzes  führten dazu, dass am ersten Tag der Düsseldorfer Messe 150 Sicherheitsbeauftragte von Verkehrsbetrieben und Stadtwerken den halben Kongress- und Messetag an unserem Stand verbrachten. Sie wollten ganz explizit unsere Erfahrung und unsere Informationen zu den o.a. Themen austauschen. Wenn man ein wenig die Perspektive ändert, tun sich schon neue Möglichkeiten auf. Ich danke allen, die für diese spezielle Gruppe extra als Ansprechpartner zur Verfügung standen. So funktioniert Netzwerk – vielen Dank.

Löschspraydosen

Ganz im Sinne – „Der lebt aber auch nur in seiner eigenen Welt“ kommen die Rückmeldungen zur WFVInfo oder im Symposium: Hat der kein anderes Thema mehr? Zur Erinnerung: Aus dem gemeinsamem  Auftritt von WFVD, DFV und vfdb beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales erzielten wir Anfang des Jahres einen Kompromiss. Da waren zuvor wirklich verschiedene Wahrnehmungen zu bündeln, und so kostete es einige Mühe, zum beschriebenen Ergebnis zu kommen. Der Sachverhalt ist hinreichend bekannt. Jeder Interessierte weiß, dass es am Ende nächsten Jahres die europäische Norm geben soll und dass dann die Zusage des Ministeriums, die Arbeit an der ASR A2.2 wieder aufzunehmen, Wirkung findet. Dann sollen die Löschspraydosen auch für die Grundausstattung der Arbeitsstätten mit Feuerlöschgeräten herangezogen werden können.

Die Kommunikation nach dem Kompromiss in diesem Jahr ist nun wirklich ein Beispiel von verzerrter Wahrnehmung. Was hilft es, neu auf das Thema zu klopfen, wenn doch der Kompromiss schon da ist? Was hilft es, Forderungen zu wiederholen, wenn doch die Argumente ausgetauscht sind und alle Beteiligten sich auf die Realitäten des jeweilig anderen eingelassen haben? Ich finde auch am Ende des Jahres noch keine Gründe dafür, und stelle mit vielen anderen fest: Da lebt wohl jemand in seiner eigenen Welt.

Ich aber will nach vorne schauen und garantiere: Ich streite mit, wenn die Norm da ist und wir werden als Experten im Arbeitskreis gefordert sein. Bis dahin aber werbe ich für Ruhe und gegenseitigen Respekt.

In der Rückschau ein Thema, das im ganzen Jahr aktuell war.


4.0 – die Digitalisierung

Wie angekündigt, veranstaltete der WFVD am 4. Dezember einen Workshop zum Thema „Industrie 4.0/Digitalisierung in der Industrie – Netzwerk für eine erfolgreiche Umsetzung“. Moderiert von Werner Heitmann (Dräger) begann der Workshop mit illustrem Teilnehmerkreis nach Verlesen der Anti-Kartellvereinbarung mit drei Impulsvorträgen. Während Stefan Truthän (hhp) die Zukunft der Sicherheitsarchitektur aufzeigte und dafür warb, den Blickwinkel (Mindset) zu wenden, rüttelte Patrick Reschke (Northdocks) in bekannter Manier an alt hergebrachten Prozessen: „Die Wertschöpfungskette wird digital…“. Manche der vorhandenen Hierarchien lassen Digitalisierung im Eigentlichen nicht zu, sie bräuchten deshalb eine Änderung.

Ich selbst habe versucht, erkennbare Bedarfe der Industrie aufzuzeigen; dies beginnend mit der Diskussion Anfang 2019 bei der Fachtagung in Berlin (Zentrale Frage: Warum nutzen wir nicht das Netzwerk und machen alle Arbeiten vielfach zugänglich?) anhand konkreter Beispiele: Wenn der Anwender ein Projekt verfolgt und Hilfe von IT-Produzenten benötigt, führt der Weg zwangsläufig zum Netzwerk. Jeder sucht für sich und rein zufällig findet man entsprechende Lieferanten. Wo ist der Überblick und wo ist das gemeinsame Ringen um bestmögliche Lösung?

Ein Puls Check verdeutlichte, wie unterschiedlich die Umsetzung der Digitalisierung in den Unternehmen ist. Was ist 4.0 für den Einzelnen? Der Workshop forderte auf, die Perspektive zu wechseln: Wie geht es zum Netzwerk 4.0? Vorgedachte Fragen führten in Gruppenarbeit zu folgendem Ergebnis:

1. Auf einer gemeinsamen Plattform werden Lösungen in verschiedenen Themen gesammelt.

2. Konzernübergreifende Zusammenarbeit bleibt das erklärte Ziel, der Wandel der „Kultur“ die größte Fragestellung.

3. Im Themenbereich Ausbildung wird die Arbeit mit konkretem Pilotthema fortgesetzt.

4. Der Workshop erfährt eine Fortsetzung mit einem nächsten Termin im Februar 2020 in Ludwigshafen.

Wir bleiben dran!


Ihnen und Ihren Lieben besinnliche Weihnachten und in 2020 alles erdenklich Gute

Ihr Raimund Bücher

Raimund BücherCorona hat der Digitalisierung in Deutschland einen riesigen Schub gegeben. Als Schulen und Behörden über Wochen dichtmachten, Betriebe ihre Mitarbeiter zur Heimarbeit aufforderten, entdeckte eine ganze Nation, was man inzwischen alles schon über das Internet abwickeln kann. Unterricht per Rechner, Meetings per Laptop und ­­­– wie gesagt – ­Arbeit aus dem Homeoffice. Doch Corona hat zugleich gezeigt, dass Deutschland insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter lebt. Immer noch ist das Internet mentales Neuland.

Als die Bundeskanzlerin vor nahezu acht Jahren diese Formulierung wählte: „Das Internet ist für uns alle Neuland“, wurde sie verhöhnt und verlacht. Sie formulierte mit ihrem Statement unter anderem die Probleme, uns bekannte Vorschriften und Regelungen vom analogen in den digitalen Raum zu übertragen. Noch immer sind erhebliche Veränderungen erforderlich. Die Corona-Krise hat aufgezeigt, wie aktuell diese Qualifizierung geblieben ist. Das zeigt sich besonders in der Abwicklung jener Vorgaben, mit denen Infektionsketten nachverfolgt werden sollen. Täglich wurden Millionen von Zetteln ausgefüllt, auf denen Besucher von Imbissen, Bars und Gaststätten notieren, an welchem Tag um welche Uhrzeit mit wem sie an welchem Tisch gesessen haben.  Oft wurde ihnen dazu ein Stift in die Hand gedrückt, den zuvor schon Dutzende andere angefasst hatten. Abgesehen von der zusätzlichen Infektionsquelle: Diese Art der Datenerhebung machte es im Falle eines Falles immens schwer, nahezu unmöglich, in der nötigen Geschwindigkeit Infektionsabläufe nachzuvollziehen. Einige wenige Restaurants zeigten, wie es auch ginge: Dort konnten die Besucher mittels QR-Code ihre Daten vom Smartphone in eine Datenbank senden, in der die Daten auf Knopfdruck verfügbar sind. Kein mühsames Suchen durch Berge von Zetteln. Schnell, kontaktlos, effizient. So könnte es gehen. Aber in zu vielen Fällen tickt Deutschland immer noch anders.  Kann es sein, dass Deutschland in großen Teilen die Digitalisierung nicht einmal verstanden hat? Vorübergehend erledigt hat sich diese Frage im Hinblick auf die Restaurants, denn die haben inzwischen wieder geschlossen.

 

Nein, die Übertragung von Schulunterricht per Video hat mit digitalem Lernen nichts zu tun. Bei wirklicher Digitalisierung in der Ausbildung muss es auch um neue Lerninhalte, interaktive und personalisierte Lernprogramme gehen.  Wie Pilze schossen die neuen Ausbildungstools aus dem Boden – alle machen e-Learning oder eben Virtuell Reality (VR). Genau dort hat der WFVD in seiner Initiative „Zusammenarbeit 4.0“ angesetzt und beim 3. Workshop die schon mehrmals angekündigte – übrigens weit vor Corona initiierte - VR Plattform verabschiedet.  Die Einführung in die Feuerwehrwelt ist jetzt zum Ende des Jahres 2020 real geworden. Virtual Reality (VR)- und Augmented Reality (AR)-Anwendungen werden Ausbildung nachhaltig verändern. Wir helfen dabei mit und machen solche Optionen auf unserer Plattform auch den Kameraden aus dem öffentlichen Bereich zugänglich.

 

Zusammenarbeit 4.0 

Die Plattform mit ihrem solidarischen Modell zur Nutzung von VR in der Aus- und Fortbildung ist in unserer Initiative Zusammenarbeit 4.0 nur der erste Schritt. Das Thema bot sich an, denn Ausbildung ist für die Mannschaft eines jeden Bereiches relevant. Ein erneuter Schwenker in den öffentlichen Bereich – Ist Industrie da wirklich besser? – mag verdeutlichen, dass der Handlungsbedarf zur Zusammenarbeit weitaus größer ist und wir den Blickwinkel erweitern müssen.  40.000 verschiedene Software-Programme sind nach Expertenschätzungen derzeit in der öffentlichen Verwaltung im Einsatz. Die meisten sind miteinander nicht kompatibel. Das erschwert die innerbehördliche Kommunikation, von Kommunikation mit anderen ganz zu schweigen. Ein erster – wirklich wichtiger Bereich in der Digitalisierung  – ist die Kommunikation.   Sie verändert sich, und damit auch die Zusammenarbeit. Unbestreitbar gilt dabei: Digitalisierung braucht Führung! –Der notwendige Treiber der Digitalisierung, das Top-Management, muss die Digitalisierung vorleben und Commitment zeigen. Digitalisierungsprojekte müssen übergreifend gesteuert werden und sich an einem Ziel- und Leitbild orientieren. Es ist eindeutig: Über Digitalisierung kann man nicht zu viel kommunizieren.

 

Zum zweiten wird das schon lange bekannte Schnittstellen-Thema in Zeiten von 4.0 besonderes Gewicht erhalten und noch zwingender zu bearbeiten sein als zuvor. Denn wie beschrieben, liegen Daten in verschiedenen Quellen, die ohne professionelle Hilfe schwierig miteinander zu kombinieren sind. Investitionen in einzelne digitale Lösungen führen aber nicht zur Digitalisierung  des Gesamtsystems. Die Folge: Es entstehen nicht bewertbare Pilotprojekte oder Insellösungen, die personelle und finanzielle Ressourcen erfordern, aber keine quantifizierbaren Vorteile bringen, beziehungsweise nicht genutzt werden. Die Digitalisierung braucht passende Technologien und entsprechende Lösungen. Ebenso wichtig ist aber, dass die gesamte Organisation mit der Digitalisierung wächst und sich auch die Unternehmenskultur weiterentwickelt: Neue Kompetenzen bei den Mitarbeitern müssen aufgebaut, Rollen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe aktiv und zielorientiert angepasst werden.

 

Der digitale Workshop

Ich werte es schon als etwas Besonderes, dass sich mittlerweile 65 Teilnehmer Ende September zum dritten Workshop der Initiative Zusammenarbeit 4.0 bereithielten und Interesse wie auch Willen zur Mitarbeit zeigten. Nein, wir konnten auch in diesem Fall keine Präsenzveranstaltung aufziehen. In einem Kreis, der sich mit 4.0-Themen beschäftigt, liegt die Lösung aber auf der Hand:  Wir machen eine digitale Veranstaltung!  Wenn nicht wir, wer sonst? Wobei es schon eine Herausforderung darstellt, wenn 65 Teilnehmer miteinander diskutieren wollen. Hinzu kommt: Die Grundidee eines jeden Workshops besteht darin, dass Gruppenarbeit die Kreativität kitzeln soll. Gruppenarbeit digital? Ja, neue Wege braucht das Land. Ich kann voller Stolz berichten, Gruppenarbeit geht auch online, und es tut der Qualität der Arbeit keinen Abbruch. Das führt zum zweiten wichtigen Punkt: Die, die jetzt mitwirken, sind die Willigen, die Offenen. Ein jeder hat eins, zwei, drei oder mehr neue Tools und Anwendungen kennengelernt, wie solch eine Arbeit aussehen kann.  Diese kleinen gemeinsamen Erfolge nimmt uns niemand mehr. Zugleich ist uns bewusst geworden: Die digitale Bewegung kommt nicht mit einem Urknall, sondern mit vielen Schritten, kleinen Erfolgen und Misserfolgen in Offenheit. Learning by doing – genauer gesagt: Lernen durch Anwenden – so bewegen wir uns zwar nicht immer schnurgeradeaus, aber letztlich doch voran. Diese Erfahrungs- und Lernprozesse verändern den Mindset – das macht die Revolution aus!

 

Die VR-Plattform ist das erste greifbare Ergebnis unserer Initiative, wir können es auf der Erfolgsseite verbuchen. Was ist nun der nächste Schritt? Unser zweites Projekt, das wir gemeinsam im Workshop definiert haben, dreht sich um „Geräteprüfungen und Wartungszyklen“. Ein Team wird sich um zyklisch wiederkehrende Prüfungen – wie bei Feuerlöschern, Brandschutztüren, Pumpen, bei Fahrzeugen, Messgeräten und im Atemschutz üblich – und um den Einsatz von Sensoren, Statusmeldungen o.ä. im Sinne „proactive“ und „predictive maintenance“ kümmern.  Ziel ist – so die Vorgabe für die Betrachtungen – eine partiell übertragbare Lösung, die nutzbar für andere sein kann. Der Plattform-Gedanke ist auch hier Blaupause für gemeinsame Ansätze und Zusammenarbeit.

Stellen Sie es sich das doch einmal vor: Die Pumpe, die lange vor dem fälligen Wartungstermin selbst den Termin für den Prüfer klarmacht oder auch schon das erforderliche Ersatzmaterial auf den Weg bringt … Aber, bei allem Enthusiasmus für diese technologischen und organisatorischen Möglichkeiten haben wir noch einmal ausdrücklich festgehalten: Die Cloud jeglicher Art ist das Mittel, nicht der Zweck. Digitalisierung ist kein Selbstzweck.
Die spannende Zusammenarbeit wird fortgesetzt, und im März 2021 wird Neues zu berichten sein.

 

Workshop-Atmosphäre spürten auch die Teilnehmer der „Herbsttagung“. Muss ich noch ausdrücklich erwähnen, dass dies unsere erste informelle Online-Mitgliederversammlung war? Neben dringend zu regelnden vereinsrechtlichen Dingen – für die wir ein rechtskonformes, schriftliches Abstimmungsverfahren genutzt haben – beherrschte das Thema Corona auch hier die Diskussion. Wie den Bestand sichern? Wie dem Auftrag, Informationen zum betrieblichen Brandschutz verteilen, folgen, wenn allenthalben die Pandemie den Auftritt behindert? Neue Wege braucht das Land. Wenn auch merklich anders, wir müssen und werden weiterhin netzwerken. Für uns heißt das:  Das „Online-Symposium des WFVD“ wird eine eigene Marke! Wir erweitern damit unser Veranstaltungsangebot. Das Konzept, das wir ursprünglich nur entwickelt hatten, um im „Corona-Jahr“ eine Alternative zu unserem gestrichenen September-Treffen in Bad Dürkheim anzubieten, erwies sich als Volltreffer. Ich darf Sie jetzt schon herzlich einladen zu unserem zweiten Online-Symposium am 16. März 2020.   Das heißt aber nicht, dass wir uns fortan nur noch digital austauschen! Die Fachzeitschrift WFV INFO ist für uns weiterhin ein wichtiges Sprachrohr für die Meinungsbildung.  Und niemand wird glücklicher sein als ich, wenn ich Sie endlich wieder zu Präsenz-Veranstaltungen einladen kann. Sobald es wieder möglich wird, treffen wir uns „in echt“ und nicht nur auf dem Bildschirm.

 

Bewegung digital

„Am 17.09.2020 wurde die Studie ‘Digitale Transformation in der zivilen Gefahrenabwehr‘ abgeschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert. Die vorgelegte Studie (zu finden unter www.blaulicht.digital) offenbart aus Sicht der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb):

  • einen erheblichen Rückstand der Gefahrenabwehr in der digitalen Transformation und eine

diesbezüglich große Unzufriedenheit der Mitwirkenden.“ – „Über die Hälfte der Umfrageteil-nehmer hat den Eindruck, dass das Thema der digitalen Transformation in ihrer Organisation „nie“ bis „eher selten“ diskutiert wird.“

Wie gesagt, Deutschland lebt insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter. Immer noch ist das Internet mentales Neuland. Die vfdb fordert die Bündelung von Aufgaben, die sinnvollerweise einheitlich und zentral gelöst werden müssen, wie zum Beispiel die Ermittlung von Bedarfen und Standardprozessen, die Definition von Datenstandards und Schnittstellen. Die Forderung ist berechtigt, aber wer macht’s? Wir als Industrie versuchen die Versierten und Interessierten von Anwendern, Forschern, Herstellern und IT-Anbietern zusammen zu bringen. Das heißt: Wir fangen schon ´mal an zu bündeln und vorzubereiten. Ist dafür – wie vom vfdb gefordert – die Schaffung einer weiteren Behörde erforderlich? Aus unserer Sicht nicht, aber natürlich sind wir stets zur Kooperation bereit. Wir wollen das Bewusstsein schärfen, den Mindset ändern – statt des kleinsten gemeinsamen Nenners brauchen wir den kleinsten gemeinsamen Sinn!

 

Den kleinsten gemeinsamen Sinn? Das ist vielleicht der Ansatz in vielen Bereichen. Wenn schon Corona bewirkt hat, dass Familie mehr zusammenrückt, wieviel mehr gilt das, was uns im ganzen Jahr beschäftigt hat, gerade auch zu Weihnachten? Die über Land erkennbaren Ansätze von Solidarität, die Welle der nachbarschaftlichen Hilfe – ist das jetzt Ausdruck neu erkannter Nächstenliebe? Vielleicht können wir dieses Wiedererlangte doch erhalten? Es ist mir wesentlich lieber als jede lautstarke Verballhornung doch gemeinschaftlich zu tragender Nöte. Und wenn sich dann gar politische Agitation – von rechts oder links - der Besorgten und Bewegten bemächtigt, geht es ganz in die falsche Richtung. Ewig-Gestrigen gönnen wir das Wort nicht, wir positionieren uns deutlich gegen jede Vereinnahmung!  Wir Feuerwehrleute wissen: In Krisensituationen braucht es Ausdauer und Kondition. Beides hilft auch, die Corona-Zeit durchzustehen, jeden einzelnen Tag davon mit dem gleichen Ritual: Der:  Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske tragen! Und nein, Minimalanforderungen sind kein Eingriff in unsere Grundrechte.

 

Bitte blocken: Termine im kommenden Jahr !

Vom großen Ganzen nochmal zurück zu unserem Verband und der Planung für 2021. Wie schon erwähnt, wie haben beides vor:   eine weitere online-Veranstaltung in so unglaublich erfolgreicher Manier, aber auch das Traditionelle, womit an erster Stelle das Symposium in Bad Dürkheim gemeint ist.  Allerdings: Alle Planung ist natürlich abhängig von der Lage. Auf der Herbstsitzung hat der WFVD beschlossen, das für Januar 2021 angesetzte Symposium in Berlin abzusagen – ebenso wie die Teilnahme an der Interschutz 2021, die aber zwischenzeitlich vom Veranstalter selbst gecancelt worden ist.  Fest gesetzt hingegen ist der 16. März 2021 für das 2. Online-Symposium aus der Marienburg in Monheim am Rhein, bitte blocken Sie dafür Ihren Terminkalender!

Was geht in der zweiten Jahreshälfte? Mal schauen! Zum einen hoffen wir alle darauf, dass bis dahin schon ein erheblicher Teil der Bevölkerung dank Impfung vor COVID-19 geschützt ist. Zum anderen glaubt die Fachwelt, dass die Messe Florian, die vfdb-Jahresfachtagung und die Messe A+A ohne/mit Corona-Einschränkungen stattfinden können. Also können wir doch auch auf eine Präsenzveranstaltung in Bad Dürkheim hoffen! Bitte blocken Sie auch den Termin 21.+22.September 2021.

Bis zum nächsten Treffen Ihnen und Ihren Familien alles erdenklich Gute – bleiben Sie gesund! Wir freuen uns auf gemeinsame Themen in 2021.

 

Ihr Raimund Bücher     

 

Raimund BücherMitten in der Corona-Krise ein Editorial zu schreiben, fühlt sich beinahe surreal an, jedenfalls ganz anders als jemals zuvor.

Die Zahlen- und Faktenlage zum Coronavirus ist verwirrend. Es kursieren viele verschiedene Informationen. Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, hat bei einer der Bundespressekonferenzen den wissenschaftlichen Stand in Deutschland eingeordnet:
"Es ist derzeit fast unmöglich zu sagen, wie gefährlich das Virus ist", räumt der Virologe ein. Man kenne das Virus einfach noch nicht gut genug. Und deshalb könnten sich Einschätzungen auch in kurzer Zeit wieder ändern. Da jedoch die Inkubationszeit der Erkrankung 14 Tage beträgt, sind Maßnahmen notwendig, um eine Virus-Ausbreitung effektiv einzudämmen, sobald diese erkannt wurde.

Trotz aller Unsicherheit, die Unternehmen haben sich vorbereitet und konkrete Maßnahmen beschlossen - zum Schutz aller Mitarbeiter an den Standorten vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und der hierdurch hervorgerufenen Erkrankung COVID-19. Diese Maßnahmen sind teilweise erheblich und doch nichts anderes als der Versuch, vor die Lage zu kommen, wie wir Feuerwehrleute sagen. Beispielhaft präsentieren wir in der WFInfo Ausgabe 1/20 die praktischen Handreichungen von der Werkfeuerwehr Henkel und die Hinweise des Robert Koch Instituts zu Hygienemaßnahmen für nicht-medizinische Einsatzkräfte. Neben der Festlegung von Eskalationsstufen für etwaige Fälle – Alarmstufen im Feuerwehrjargon – und daraus folgenden Entscheidungen, neben der Abstimmung mit den Kollegen der Gesundheitsämter und öffentlichen Feuerwehren zum Gleichklang der geplanten innerbetrieblichen und auch öffentlichen Aktionen bleibt für den Einzelnen das zu tun, was in der eigenen Verantwortung liegt: die Beachtung eigentlich selbstverständlicher Hygienevorschriften.

Schon jetzt rechnen viele Kommentatoren damit, dass die Corona-Krise zu gewaltigen Veränderungen in der Gesellschaft und in den globalen Lieferketten führen wird. Alles wird anders, wir wissen nicht wie – aber anders wird es wohl.

 

Anders wird die Arbeitswelt

Die Corona-Krise schien noch ganz weit weg, als wir uns im Januar in Berlin zu unserem Symposium trafen. Ein Jahr zuvor hatten wir uns um die Zukunft der Ausbildung Gedanken gemacht. Damals lautete die zentrale Frage des Symposiums: „Wie ticken die?“ Gemeint waren die Millennials, die jetzt ihr Berufsleben beginnen. Diese Fragestellung haben wir nun unter neuen Gesichtspunkten weiterverfolgt: Haben die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Arbeitsleben Auswirkungen auf die etablierte, uns bekannte Arbeitsorganisation, auf unsere Schichtsysteme?
Auf unserer Website in der Wissensdatenbank finden Sie die Unterlagen und Vorträge der Veranstaltung. Die Aufzeichnungen der Vorträge können Sie sowohl auf unserem Youtube-Kanal als auch auf unserer Facebook-Seite nachverfolgen. Erstmalig haben wir die gesamte Veranstaltung im Livestream übertragen.

Nach einem Intro von Christoph Wachholz und mir startete Dr. Torsten Wolf mit der behördlichen Sicht zum Thema Arbeitszeit/Schichtarbeit. In bekannt versierter Manier führte er uns durch Verordnungen und Gesetze, und mancher war froh, diesen Überblick zu bekommen. In der Folge schilderte Bernd Sassmannshausen die Überlegungen von Merck zu Belastungen im Schichtdienst bei der Werkfeuerwehr. Am Beispiel der Tarifverhandlungen für Flughafenfeuerwehren erläuterte Arno Dick von der Gewerkschaft ver.di aktuelle Tarifbemühungen und -lösungen an Flughäfen. Als Repräsentanten des Bildungswerks ver.di berichteten Franka Lindow und Ina Cramer von aktuellen Ergebnissen im Projekt Laurentio und über Belastungen am Arbeitsplatz.
Am zweiten Veranstaltungstag brillierten die Referenten aus der Praxis. Als „junger Wilder“ machte Christopher Plante aus den Herausforderungen seines Arbeitsplatzes bei der Werkfeuerwehr Henkel keinen Hehl. Peter Köhler berichtete anschaulich und erfrischend von täglichen Fragestellungen aus dem Zusammenspiel der Generationen. Beide Redner begeisterten uns mit ihren authentischen Beiträgen.

Moritz von Schaumann Werder schloss die Vortragrunde, er schilderte die neuen Ansätze zur Personalgewinnung und Qualifizierung. Alle Referenten diskutierten im Anschluss gemeinsam mit dem Landesbranddirektor von Berlin ihre unterschiedlichen Betrachtungsweisen. Moderiert von WDR-Journalist Jörg Sauerwein entspann sich ein lebhaftes Gespräch. Alle Zuhörer erhielten somit die Möglichkeit zur Reflexion – im Ganzen eine runde Sache. Der WFVD dankt allen Mitwirkenden und Referenten für die tatkräftige Unterstützung.

Was bleibt, ist die Frage: „Wie ticken sie wirklich, die Jungen?“ Im Nachgang zum Symposium habe ich mich mit einem Artikel von Dr. Steffi Burkhart in der Zeitschrift Capital auseinandergesetzt. Ich versuche nachfolgend eine Zusammenfassung ihrer Gedanken mit den Erkenntnissen unserer Fachtagung in Berlin zu verknüpfen:
„Respektlos, verwöhnt, faul oder neugierig, fordernd, flexibel. Die Meinungen über die Generationen Y und Z klaffen weit auseinander. Wie ticken Sie aber wirklich, die Jungen, die nächste Generation, unsere Zukunft?“ Und welche Auswirkungen hat der Way-of-live dieser Generation auf unsere althergebrachte Organisation?

„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Albert Einstein, Autor dieses Zitats, war erst 26 Jahre alt, als er seine erste Version zur Relativitätstheorie vorgestellt hat – mit dem Titel „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“. Der Physiker war nicht nur intelligent und gebildet. Er galt auch als verrückt, experimentierfreudig und eben neugierig. Ohne diese Eigenschaften wäre er vermutlich nicht einer der berühmtesten Wissenschaftler der Welt geworden. Einstein hat sich etwas getraut. Er hat seinen Erfolg provoziert, indem er nicht aufgegeben hat und sich nicht entmutigen ließ.

Wäre es nicht das Jahr 1905 gewesen, sondern 2020, hätte man Albert Einstein für einen typischen Vertreter der Generationen Y gehalten. Nicht nur, dass der Generation Y Attribute wie Neugierde nachgesagt werden – manch einer mag sie für größenwahnsinnig halten. Hatte man das über den Physiker nicht auch gesagt?

Doch wer ist sie denn nun eigentlich, diese „Gen Y“? Betrachten wir sie mit der demografischen Brille, umfasst sie die Alterskohorte der heute 25 bis Mitte 35jährigen (*1980 – 1995). Neben ihr gibt es die U-25-Jährigen die unter 25jährigen, die als „Generation Z“ bezeichnet werden (*1995 – 2010), die Generation X, der heute Mitte 40 bis 55jährigen (*1965 – 1980), sowie die Babyboomer (*1955 bis 1969), die zugleich die Elterngeneration der Generation Y sind.

Diese Einordnung ist wichtig, um zu verstehen, was ich vermitteln will: Wenn man sich ein Urteil von der Gen Y bildet, ist der Blick auch auf die anderen Generationen zu richten, vor allem auf uns Babyboomer. Denn mit uns reiben sie sich an Themen wie Führungsstil, Arbeitszeiten, Leistungsdenken, Karriereverständnis, am Verhältnis von Arbeit und Freizeit, der Vereinbarkeit von Eltern sein und Karriere machen. All das wird durch die unterschiedlichen Sichtweisen unserer beiden Generationen sowie von Wirtschaft und Gesellschaft geprägt. Dabei zeigen sich auch die Schattenseiten unserer Arbeitswelt ungeschönt: 24/7-Erreichbarkeit, On demand-Arbeit, Management nach Taylor und auch das größer werdende top down-Gefälle. In der aktuellen Diskussion geht es im Kern um hergebrachte top down-Führung versus heutiger VUKA-Realität (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität).

Es heißt, die Gen Y halte ungern Regeln ein und stelle Prinzipien in Frage? Genau das tut sie. Sicher nicht, weil es ihr gefällt, die „Nerv“-Generation zu sein, sondern weil sie es für nötig hält, Dinge zu hinterfragen. So haben wir sie als Eltern erzogen: „Untersuche“, „Hinterfrage“, „Sag, wenn dir etwas nicht passt“, „Guck nicht auf die anderen, zieh dein Ding durch“. „Wer, wie, was“ heißt es schließlich schon seit unserer Kindheit in der Sesamstraße. Wir Eltern sind wie Helikopter über ihnen geschwebt, haben ihnen alles ermöglicht und den Lebensweg geebnet. So sind die Jungen zu dieser Generation geworden.

Trotzdem oder gerade deshalb ist das Lebensmodell von uns Eltern und Großeltern nicht mehr der Status Quo. Die Vertreter der Gen Y sind mit dem Internet aufgewachsen, leben globaler, haben jeden Tag Kontakt mit Leuten in Singapur und Kanada – mit nur einem Klick. Das zeichnet sich auch in ihren Wertevorstellungen von Arbeit ab: sinnerfülltes Tun statt Geld, Familie statt Arbeit, Internationalität und Flexibilität im Job statt Status, Freude statt Pflicht. Das Warum und das Wie in der Arbeitswelt haben sich verändert. Es geht mehr darum, eine Mosaikkarriere zu machen – also vieles auszuprobieren, neuen Dingen eine Chance zu geben – anstatt geradlinigen Lebensläufen hinterher zu hetzen. Doch eins zeigen einige Studien: Nur weil Flexibilität und Kreativität im Job vorhanden sein sollen, will die Gen Y nicht in Unsicherheit leben – entgegen der weit verbreiteten Meinung, jeder Mensch zwischen 20 und 35 sei freiheitsliebend. Im Gegenteil, Studien zum Wertesystem zeigen auf: Diese Generation ist in zwei komplett gegensätzliche Lager gespalten. Die eine Hälfte ist sehr freiheitsliebend, strebt nach Autonomie, flachen Hierarchien, will sich vernetzen, versteht Arbeit als persönlichen Lernweg, will experimentieren, verhält sich unkonventionell und nimmt für ein gutes Arbeitsumfeld ein geringeres Gehalt in Kauf. Auf der anderen Seite gibt es die „Sicherheitsgruppe“, die eher nach traditionellen Werten und Mustern lebt. Sie strebt nach Strukturen, Jobsicherheit, Zielsicherheit, Karrieremöglichkeiten und befürwortet klare Hierarchien. 95 Prozent der Jugendlichen wünschen sich einen sicheren Job.

Aber: Ob im Alter von 20 oder 60 Jahren …, seine Lebenseinstellung bestimmt jeder selbst. Natürlich gucken die Leute blöd, wenn die Oma aufs Motorrad steigt. Na und?! Die Leute gucken immer blöd, wenn jemand etwas macht, womit sie nicht gerechnet hätten. Denken wir an Einstein…. Ich bin also der festen Überzeugung, dass das Alter wichtig, jedoch nicht entscheidend ist. Es geht um Antrieb und Einstellung. Wenn der Mindset eines Alten dem eines Jungen gleicht, gehören beide zur Generation Y – egal ob die Alterskohorte stimmt oder nicht.

Zu den Alten gehören in diesem Fall auch die Babyboomer, aus dessen Generation aktuell der Großteil der Führungskräfte stammt. Erkennbares Ergebnis der WFVD-Veranstaltung ist: Es wird einen Paradigmenwechsel geben, in Bezug auf Handlungsgrundprinzipien wie Planbarkeit, Hierarchie, Effizienzstreben und dem Alleindenkertum. Diese Maxime vieler Organisationen verlieren zugunsten einer agileren Organisationsstruktur an Bedeutung und Relevanz. Ihnen gegenüber stehen neue Erfolgsprinzipien: Beweglichkeit und Dynamik, Partizipation und Innovationsfähigkeit.
Was also ist erforderlich? Was sind unbedingte Rahmenbedingungen? Zukunftsinstitute sehen den wahren Impact des Megatrends der Konnektivität im sozialen, nicht im technologischen Fortschritt; Internet und Digitalisierung begünstigen allenfalls diesen sozialen Prozess. Für uns heißt das: Anstatt die Generation Y als kläglich oder unrealistisch zu bezeichnen, sollten wir Babyboomer lieber mit ihnen sprechen und ihnen zuhören. Wissenschaftler reden sogar von der Mutation vom Homo oeconomicus zum Homo socialis, der mehr Wert auf ein Wir-getriebenes Arbeiten legt. So wird der Wir-Gedanke zu einem zentralen Treiber für Führungskräfte.

Wertschätzung im Großen und im Kleinen hieß die Losung eines Vertreters der „jungen Wilden“ beim Symposium 2020 in Berlin. Christopher Plante stellte neben den Betrachtungen zu Belastungen im Schichtdienst das Schlüsselthema Wertschätzung heraus, das für alle Generationen gilt. Peter Köhler, der als Schichtleiter Auswirkungen auf die tägliche Dienstplanung verdeutlichen wollte, machte klar: Ohne Kommunikation funktioniert gar nichts und am wenigsten ein guter Wandel in der Arbeitswelt. Dann gibt es nur irgendeinen Wandel. Und das will weder die Gen Y noch wollen das die Babyboomer. Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt. So oder so: Beim Symposium in Berlin hatten wir das richtige Thema!
Anders wird die Zusammenarbeit

Wie angekündigt, veranstaltete der WFVD am 5. Februar 2020 den zweiten Workshop zum Thema „Industrie 4.0 / Digitalisierung in der Industrie – 4.0 in der Zusammenarbeit“. Erneut moderierte Werner Heitmann (Dräger) den Workshop, der mit dem Verlesen der Anti-Kartellvereinbarung begann. Es folgten zwei Impulsvorträge:. Jörg Urban und Siegfried Fiedler als Gastgeber der Veranstaltung stellten Lösungen, aber auch offene Fragen der Werkfeuerwehr BASF vor. Ihr Beitrag endete mit der Frage nach anders gearteter Zusammenarbeit: „Wie können all die Informationen, die aus den Betrieben zur Verfügung stehen, vernetzt werden?“ Patrick Reschke (Northdocks) zeigte den Teilnehmern danach ein Potpourri von VR (Virtual riality)-Lösungen.
Ein Puls-Check verdeutlichte in der Folge, welche konkreten Ausbildungsthemen die Teilnehmer zur Anwendung bringen wollen. In Gruppenarbeit haben wir diese Themen diskutiert, immer im Blick: VR ist kein Mittel zum Zweck. Erste Ergebnisse sollen im Oktober beim nächsten Treffen präsentiert werden.

Der Nachmittag stand ganz für die Diskussion um eine gemeinsame Plattform zur Verfügung. Northdocks präsentierte wie erwünscht einen Vorschlag für diese Plattform, die:

  • 1. VR-Lösungen in verschiedenen Themen zur Verfügung stellt
  • 2. den gemeinschaftlichen Zugriff und Input von Feuerwehren und Herstellern erlaubt.

Das Thema Ausbildung wird also wirklich eine erste Möglichkeit bieten, Zusammenarbeit in anderer Art zu praktizieren. Die Plattform wird als WFVD-Plattform ausgestaltet und vorerst von Northdocks betrieben. . Mitte des Jahres wird der neue Ansatz für Interessierte präsentiert. Sie können gespannt sein, die Zusammenarbeit wird anders! Wir bleiben dran!

Anders wird die Zusammenarbeit auch im Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit. Nach langen Jahren hat Dr. Antje Müller ihre Tätigkeit im Redaktionsteam der WFInfo beendet. Sie hat maßgeblich zum Erfolg unserer Verbandszeitschrift beigetragen – ihr gilt unser herzlicher Dank für alles Wirken und Gestalten. Die ersten Auswirkungen dieser Veränderung haben Sie gerade erfahren, bearbeitet von Anja Schrieber und Delia Fricke in Zusammenarbeit mit Rolf Fünning und mir; anders und trotzdem gut, oder? Die Teamarbeit für diese Ausgabe startete übrigens mitten in der Corona-Krise und fand daher ausschließlich via Skype und Telco statt.

Was aber ist jetzt das allerwichtigste, abgesehen von der Lektüre dieser neuen Ausgabe? Ordnungsgemäßes Händewaschen! Und: Achten Sie auf Abstand zu Ihren Mitmenschen, aber halten Sie Kontakt. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!


Ihr R.B.