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VIRTUELL DEN NOTFALL ÜBEN

Unter der Schirmherrschaft des WFVD entwickelt die Northdocks GmbH eine offene, transparente, leicht verwendbare, bezahlbare und über das Internet zugängliche Trainingsplattform mit virtuellen Trainings.

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Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean

Raimund BücherHaben wir im zweiten Quartal noch ein wenig Hoffnung auf Normalität gehabt, scheint ein Quartal weiter alles im Bruch: Deutschland im Griff der Pandemie – und doch bisher noch glimpflich davongekommen. Ja, wir fühlen uns ausgebremst und eingeschränkt, aber ein Blick in einige Nachbarländer macht deutlich, dass die Menschen dort coronabedingt viel mehr zu erdulden haben.

Online-Symposium

Mitgemacht beim ersten Online-Symposium des WFVD am 22. September? Das Online-Symposium war ein Novum, denn entgegen vergleichbarer Aktivitäten anderer Institutionen konnte mitmachen, wer Interesse zeigte. Teilnehmergebühren wurden nicht erhoben, interessierte Hersteller füllten die Pausen mit eigenen Sequenzen. Deshalb blieben die Teilnehmerzahlen ungewiss. Sicher aber wurden Interessierte bedient, die sonst keinen Zugang hatten. Wir zählten ganz modern nur „Views“ – und das waren mehr als 6.000 auf Youtube und Facebook! Der WFVD folgte seinem Auftrag aus der Satzung: Informationen verteilen und netzwerken.

Sieben Referenten präsentierten aktuelle Themen für alle, denen Feuerwehrarbeit und Betrieblicher Brandschutz wichtig sind! Zum Auftakt des Symposiums gab’s das Aktuelle vom Vorsitzenden – yours truly –, die wichtigsten News aus dem Verband und dem Betrieblichen Brandschutz. Alles wie gehabt, nur diesmal nicht in Bad Dürkheim im vollen Veranstaltungssaal, sondern allein vor einer Kamera in der Marienburg in Monheim. Gut zu wissen, dass zumindest die drei Vorstandskollegen gleich nebenan saßen und jederzeit in die Diskussion einsteigen würden.

Wie immer wurden die Topics angerissen, die allen unter den Nägeln brennen und zum Teil im weiteren Verlauf der virtuellen Veranstaltung vertieft wurden – und auch hier in der WFV Info behandelt werden:

  • Corona – die aktuelle Einschätzung der Auswirkungen auf die betrieblichen Wehren;
  • Neues aus dem AK Atemschutz: Siegfried Fiedler beendet seine Arbeit als Vorsitzender mit einem Bericht über neue Entwicklungen;
  • Spraydosen – die never ending story;
  • 4.0: die VR-Plattform – Digitalisierung zum Anfassen?

Am Ende wagte der komplette Vorstand einen ebenso einmütigen wie optimistischen Ausblick: Im September 2021 treffen wir uns wieder in Bad Dürkheim!

Zurück zu den Themen:

Schaummittel

Wie problematisch sind fluorhaltige Schaummittel? Können sie beim Löscheinsatz durch fluorfreie Produkte ersetzt werden? Mit diesen Fragen befasst sich im WFVD der Arbeitskreis Schaummittel – und er bündelt die Aktivitäten der Werkfeuerwehren in Deutschland zu diesem Thema. Auf dem Online-Symposium des WFVD am 22. September stellte der Arbeitskreis-Vorsitzende Eike Peltzer die neuesten Entwicklungen vor:

  • die rechtliche Lage;
  • die Ergebnisse einer Umfrage unter den Werkfeuerwehren, wie und in welchen Mengen sie Schaummittel einsetzen,
  • eine neue Testreihe des WFVD in Kooperation mit Lastfire: Wie wirksam sind fluorfreie Schaummittel auf verschiedenen Brennstoffen?

Der Arbeitskreis Schaummittel ist in unserem Verband der einzige mit einem eigenen Youtube Kanal! Dort gibt es drei Videos mit unterschiedlichen Schwerpunkten zum Thema Löschschäume. Sie können sie jederzeit hier aufrufen.

Baulicher Brandschutz

Wie in Bad Dürkheim durfte auch in Monheim der Vorbeugende Brandschutz nicht fehlen.

Diesmal im Fokus: Intelligente, hoch flexible und extrem platzsparende Lagersysteme. Sie stellen, ebenso wie automatische Flurförderanlagen, besondere Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz. Die spezifischen Herausforderungen aus Sicht des Brandschützers beschrieb Gerd Fröhling, Leiter des technischen Risikomanagements im Siemens-Konzern.

Wird auch beim Brandschutz alles noch komplizierter? Zum Glück nicht, die Einstufung von Kunststoffen unter Brandschutzkriterien ist sogar deutlich vereinfacht worden! Auch dazu gab Gerd Fröhling auf dem Symposium ein Update.

Löschwasserrückhaltung

Es brennt! Die Feuerwehr löscht – und dann? Wohin mit dem Löschwasser? Bisher kein Problem! Allerdings: Für die bereits jetzt strengen Vorschriften zur Löschwasserrückhaltung sind erhebliche Änderungen geplant. „Die bisherigen Regelungen werden ohne nachvollziehbaren Grund deutlich verschärft. Es geht um Löschwasserrückhaltungen nach Wasserrecht für jede Art von Gebäude und Nutzung.“, erklärte Stefan Deschermeier, Geschäftsführer Werkfeuerwehrverband Bayern e.V.

Wegen der deutschlandweiten Tragweite hat ihn der Bundesverband Betrieblicher Brandschutz e.V. / Werkfeuerwehrverband Deutschland zum Projektleiter für den Themenkomplex Löschwasserrückhaltung ernannt. Beim Online-Symposium des WFVD am 22. September beleuchtete er die Sachlage im Kontext von Politik, Wirtschaft und Umweltschutz. Reinschauen und -hören lohnte sich in jedem Fall, denn – so der Hinweis von Stefan Deschermeier – „auch Handwerker, Bauhöfe, Feuerwehrhäuser, kleine und mittelständische Unternehmen, Baumärkte und viele mehr sind betroffen. Sie alle müssen – sofern die neue Verordnung wie geplant im Oktober geändert wird – innerhalb von drei Jahren ihre baulichen und wasserrechtlichen Anlagen anpassen!“

Wenn Ihr nicht dabei wart, könnt Ihr alle Vorträge auf unserer Startseite und in unserer Wissensdatenbank abrufen.

Digitalisierung im Betrieblichen Brandschutz

Leitstelle

Die Leitstelle ist das Herzstück jeder Werkfeuerwehr. Damit die Feuerwehrleute zuverlässig bei jedem Notfall bedarfsgerecht zur Stelle sein können, ist es zwingend erforderlich, dass die Leitstelle zu jeder Zeit reibungslos funktioniert. Das heißt, sie selbst muss auch Bedrohungslagen wie beispielsweise Hackerangriffen effizient und ausfallsicher begegnen können. Was ist dafür erforderlich? „Die grundsätzliche Anforderung ist, dass Leitstellen dem Stand der Technik und den jeweiligen Entwicklungszyklen der digitalen Möglichkeiten entsprechen“, sagt Herbert Bergmann, ausgewiesener Experte für Kommunikations- und Sicherheitstechnik. Beim Symposium des WFVD gab er klare Handlungsempfehlungen für die „Leitstelle der Zukunft“.

Gefahren-Melde-Anlagen

„Digitale Transformation“: ein Veränderungsprozess, der nachhaltiges Management und nachhaltige Gestaltung erfordert. Lothar Hunshelm, ausgewiesener Experte für Daten-, Kommunikations- und Automatisierungstechnik, verdeutlichte am Beispiel von Gefahren-Melde-Anlagen, welche Chancen die digitale Transformation bietet. Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf dieses Prozesses ist eine frühzeitige Transformationsstruktur und die Integration aller beteiligten Partner. Welche konkreten Schritte dafür erforderlich sind, erläuterte Referent Hunshelm in seinem Vortrag.

VR-Plattform

Die Firefighter VR Plattform, die das Unternehmen Northdocks unter der Schirmherrschaft des WFVD entwickelt hat, ist das erste, virtuell greifbare Ergebnis unserer Initiative „Zusammenarbeit 4.0“. Einen ausführlichen Bericht dazu gab es in der vorherigen Ausgabe 2/2020 der WFV Info. Während des Symposiums ließ uns Hans-Jürgen Werner am Go-live der Plattform teilhaben.

Einsatznachbesprechung

Einsätze mit großem Gerät sind für die Werkfeuerwehr der Premium AEROTEC am Standort Augsburg nichts Ungewöhnliches: Denn hier entwickelt und fertigt das Unternehmen großflächige und komplexe Flugzeugkomponenten aus Aluminium, Titan und Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen. Viele dieser Teile haben – ebenso wie die Fertigungsanlagen – XXL-Maße. Der Großbrand in der Galvanik am 27. Dezember 2018, über den weit über Augsburg hinaus berichtet wurde, war aber selbst für die erprobte Werkfeuerwehrmannschaft ein außergewöhnlicher Einsatz. Den meisterte sie auch nicht allein, sondern bezog die örtliche Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr mit ein. Über den Ablauf und die Learnings dieses Großeinsatzes berichtete Bernhard Hörger, im Hauptberuf bei Aerotec Premium Assistent des Geschäftsführers für Finanzen – und im Ehrenamt Oberlöschmeister der Freiwilligen Feuerwehr Haunstetten Stadt Augsburg e.V..

Fazit

Das Online Symposium war erfolgreich. Wir gingen neue Wege – und der Auftritt mit professioneller Hilfe war schon ein anderer als der Anfang des Jahres in Berlin, als wir erstmalig versuchten, eine komplette Veranstaltung zu streamen. Angesichts der neuen Technik und der unfassbaren Vielzahl von Möglichkeiten, die sich daraus entwickeln können, muss ich wirklich sagen: Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.

Marienburg in Monheim am Rhein hat sich als Austragungsort bewährt. Wir danken allen Referenten und allen, die in der Vorbereitung mitgewirkt haben, allen voran Anja Schrieber und Delia Fricke. Wir haben eine ernsthafte Alternative entdeckt, doch das Herz sagt Bad Dürkheim muss fortbestehen.

Spraydosen

Wir hatten berichtet, wie die neue EU-Norm scheinbar allen innovativen Gedanken Einhalt gebietet. Inzwischen gibt aber selbst der BMAS zu erkennen, dass hierzu noch Handlungsbedarf besteht. Man will noch einmal reden, und das ist ohne Kommentar einfach zu begrüßen. Ein neuer Arbeitskreis tut sich auf, der erneut über Einsatzmöglichkeiten der Löschspraydosen im Betrieblichem Brandschutz diskutieren wird. In der Projektskizze heißt es: „Überprüfung Punkt 5.2 Absatz 2 Satz 5 der ASR A2.2 in Bezug auf die Anrechenbarkeit von Feuerlöschsprays auf die Grundausstattung und Erarbeitung qualitativer und quantitativer Leistungskriterien für den Einsatz in Betrieben (…). Eingaben der sachverständigen Fachöffentlichkeit im Brandschutz (Feuerwehrverbände, Universitäten) und Herstellern von Feuerlöscheinrichtungen bei dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zielen auf eine Anrechenbarkeit von Löschspraydosen bei normaler Brandgefährdung auf die Grundausstattung ab.“ Am Ende brauchen wir eine entsprechende Berücksichtigung in der ARR A 2.2 und Sicherheit für unsere Betriebe.

Ausbildung

Eins kann auch die Pandemie nicht stoppen: die Ausbildung unseres Nachwuchses! Es ist gut, wenn die betrieblichen Wehren Motor für das Zukünftige sind und die Unternehmen trotz aller Krisengeschehen an der Ausbildung von jungen Menschen festhalten. Jürgen Warmbier gibt in dieser Ausgabe einen Überblick über all diese Aktivitäten. Unser Bereich hat sich wahrlich gut entwickelt.

Nach 15 Jahren ist nun endlich auch in Baden-Württemberg der erste Jahrgang im Berufsbild erfolgreich zu Ende gegangen. Auch von unserer Seite dazu einen herzlichen Glückwunsch an die Absolventen, aber auch an die unbeirrbaren Wegbereiter in Unternehmen und Institutionen, die sich trotz mancher Widerstände endlich durchgesetzt haben.

Gleichzeitig bilden wir traditionell aus. In Brandenburg wurde der nächste Grundausbildungslehrgang nach Laufbahn erfolgreich beendet. Auch hier ein dickes Lob für alle Mitschaffenden.

All die verschiedenen Wege müssen wir uns als betriebliche Wehren freihalten. Und wenn staatlichen Stellen uns keine Ausbildungsplätze stellen, müssen wir halt selbst reagieren. Wie sollen wir sonst unsere Auflagen bezüglich Mindestwachstärken erfüllen? So kommt es zunehmend vor, dass über die Grenzen der Bundesländer Aspiranten zur Ausbildung verschickt werden. Haben wir das im Bereich des Berufsbildes schon einige Jahre gemacht – wenn etwa ein großer Flughafen aus Baden-Württemberg seine Azubis nach Bayern oder Hessen schickte – ist das bei „Laufbahnausbildungen“ ein neueres Thema. Und ganz unerwartete Fragen tauchen auf, wenn der in NRW Ausgebildete beispielsweise in Sachsen eingesetzt werden soll. Aktuelle Diskussionen in NRW zeigen, dass wir fein auf formale Stricke achten müssen. Unsere diesjährigen Erfahrungen auf dem neuen Spielfeld bestätigen einmal mehr: Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.


Ihr Raimund Bücher