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„Und nicht vergessen: Immer schön geradeaus im Hin und Her, sonst läuft man ja im Kreise!“

Der Standpunkt

Ein stetes Hin und Her – so könnte man das Leben im Jahr 2017 beurteilen. Haben Sie auch den Eindruck eines steten Wankens? Wie anders sollten wir das beschreiben? Es mag doch scheinen, dass wir alle auf schwerer See segeln. Manch einer hat dabei einen kaputten Kompass und segelt auf Sicht. Daher kommt der Ansatz des neuen Standpunktes „Immer schön geradeaus im Hin und Her…“ nicht von ungefähr.

Im brodelnden Strudel der Veränderung droht uns allen die Gefahr, sich angesichts der politischen Großwetterlage von der Wahrnehmung einer dauerhaften Universalkrise komplett vereinnahmen zu lassen. Kein Bereich des Lebens scheint ausgenommen. Über den gesamten Erdball verteilt, ob in Industrienationen oder in Schwellenländern, überall finden politische Umwälzungen statt. Manches Gewohnte und Etablierte ist aufeinen Schlag anders. Das Laute und Polternde nimmt scheinbar mehr und mehr Platz ein. Einige Lautstarke machen sich die Unsicherheit zu Nutze und können damit scheinbar sogar Stimmen bei Wahlen gewinnen. Unsicher bleibt, ob Protest ohne Konzept tragfähig ist, denn irgendwann werden auch diese Bewegungen zur Verantwortung gezogen.

Einige Verblendete wollen Umwälzungen in anderer Art vorantreiben und bringen kriegerisches Handeln, gar Terrorismus auch in unsere Gefilde. Waffengewalt und rücksichtsloser Umgangmit Menschenleben – Unsicherheit steigt angesichts der Geschehnisse zu Silvester in Köln im Vorjahr und enden in Fassungslosigkeit bei Ereignissen in München oder in Berlin am Breitscheidplatz.

Auch das Wirtschafts- und Arbeitsleben verändert sich immer schneller und grundlegender. Die digitale Transformation verändert das sicher Geglaubte. Studien, die Auswirkungen auf die Arbeitswelt durch die 4. Industrielle Revolution betrachten und den Wegfall bisheriger Arbeitsplätze prognostizieren, produzieren ebenfalls Unsicherheit und Ängste. Befeuert wird dieses zuweilen an Ohnmacht grenzende Gefühl von den immer schneller und globaler reagierenden Medien, darin Meldungen wiederum von immer größeren Teilen der Bevölkerung – und der Politik – als fake news verschrien werden.

All das Hin und Her steigert die Verdrossenheit, und letztlich leidet die gegenseitige Glaubwürdigkeit aller gesellschaftlichen Akteure. Ist das der Grund, warum Einsatzkräfte, die doch helfen wollen, in ihrer Arbeit behindert, ja zunehmend angefeindet, gar körperlich angegriffen werden?

Eine Großstadtanalyse zum Thema Gewalt gegen Rettungskräfte verweist trotz fehlender offizieller Datenerfassung auf zunehmendeVorkommnisse mit körperlicher Gewalt (von 650 Fällen im Jahr 2011 auf 1200 Fälle 2017). Die Studie berichtet auch, dass nachfolgende Strafverfahren vom Staatsanwalt häufig eingestellt werden, wegen mangelnden öffentlichen Interesses. Und die besonderen Einsatzlagen in München, in Berlin – aus unserem Bereich in Ludwigshafen? – sie fordern Tribut. „Die Amoklage in München und der Terroranschlag in Berlin bildeten den Auftakt der Erfahrungsberichte von besonderen Lagen,“ berichtete der Deutsche Feuerwehrverband in seiner Pressemitteilung über das 4. Symposium zum Thema „Hilfe für Helfer“ anlässlich der Messe RettMobil. „Es war nicht die Frage ob, sondern nur wann es zu einem solchen Ereignis kommen würde“,… „Die Einsatzkräfte waren hoch belastet: durch eigene Todesangst und Überforderung, eine unklare Lage, Presseanfragen und sogar körperliche Angriffe von Betroffenen, deren Angehörigen die Feuerwehr nicht mehr helfen konnte“, berichteten Beteiligte an dem Geschehen. So massiv sind die Auswirkungen, dass schon die Frage aufkommt: „Ist die Einsatzstelle sicher?“

Und die Helfer selbst? In den genannten Fällen hat man, so wird berichtet, „für die psychosoziale Notfallversorgung auf vorbereitete Konzepte zurückgegriffen um damit zumindest eine Grundstruktur aufbauen können.“ Festzuhalten ist: Die Betroffenen funktionieren in der Regel ja noch in der jeweiligen Situation – das bisher Vorbereitete und Vorgehaltene scheint aber nicht mehr zu reichen. Die Ereignisse hören nicht mit dem Einrücken auf die Wache auf. Nachwirkungen halten neben den Verletzten und den Trauernden auch bei den Einsatzkräften an. So einfach weitermachen, das geht dann nicht. Persönliche Betroffenheit, offene Enden im ganz persönlichen „Damit-Umgehen“ schreien nach Präventionsmaßnahmen, Ausbildung, Technik, Nachsorge, Öffentlichkeitsarbeit. Es ist gut, dass der Deutsch Feuerwehrverband sich des Themas mit seiner Aktion
„Hilfe für Helfer“ annimmt – immer schön geradeaus….

Stetes Wanken, steigende Unsicherheit, zunehmende Ängste - was kann man schon als einzelner Mensch dagegen tun? Nichts, so die spontane, unreflektierte Antwort aus dem Bauch heraus. Aber sind wir wirklich so hilflos? Ist die Lage wirklich so verheerend? Natürlich nicht. Ein Blick in langfristige Entwicklungen genügt, um eine klare Verbesserung der weltweiten Wirtschafts- und Entwicklungssituation etwa im Vergleich zu den siebziger und achtziger Jahren zu erkennen. Wenn wir es auch noch immer nicht geschafft haben, weltweit Hungersnöte durch bessere Verteilung zu verhindern, wir selbst klagen auf hohem Niveau. Und mit dem technischen Fortschritt eröffnen sich immer neue Lösungen für Probleme. Klar: Es gibt auch neue Risiken und neue Verwerfungen, aber die grobe Richtung stimmt. Wem dies zu abstrakt ist, zu weit weg von der persönlichen Erfahrung, der fasse sich an die eigene Nase: Wo verbringen wir unser Leben? Ganz profan: Zu Hause und auf der Arbeit. Deswegen liegt es auch zu einem großen Teil an jedem Einzelnen selbst, Einfluss auf seine eigene Lebensumgebung zu nehmen und diese mitzugestalten. Zum Beispiel, indem man sich engagiert. Ehrenamtlich. Ob im Verein um die Ecke, im Verband von Gleichgesinnten oder im eigenen Betrieb. Beispiel gefällig? Auch im WFV-D geht es um Engagement. Erst durch eine gute und effektive Mitarbeit des Einzelnen und durch Bündelung der Kräfte besteht Gestaltungsmacht. Schließlich ist es ganz einfach:
er mitgestalten will, muss mitarbeiten. Denn nur wer mitmacht, ist auch wirklich mittendrin!

Veränderungen überall, auch im WFV-D. Verdiente Kollegen werden bald abdanken – die Suche nach Mitstreitern wird drängender. Über Entwicklungen werden wir natürlich zeitnah und geordnet berichten. Hier ergeht als Erstes der Aufruf um Mitarbeit in die Republik. In guter Sitte wollen wir uns sortieren und erneut über Auftritt und Strategie nachdenken, im Sinne des Leitwortes also geradeaus denken. Vorweg soweit: Die kollektive Interessenvertretung halten wir für effektiver als die Vertretung durch die eigene Person. Entschlossen, aber konstruktiv, sachlich und ergebnisorientiert – so wollen wir die Interessen unserer Unternehmen vertreten. Diese unsere Interessenten wollen und müssen wir mehr beteiligen. Wie heißt es in der Satzung: „… der Bundesverband Betrieblicher Brandschutz Werkfeuerwehrverband Deutschland ist Interessenverband der Unternehmen…“.
Wir brauchen dazu aber auch ihre Unterstützung. Dazu passt, dass es seit Februar 2017 einen Arbeitskreis Brandschutz im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) gibt, in den Vertreter aus unseren Kreisen berufen wurden. Kollektive Interessenvertretung ist dann besser als die Vertretung durch die eigene Person. Sie ist eine Antwort auf stetes Hin und Her.

Es gibt noch weitere Themen, die uns zwingen, im Kabbelwasser des Hin und Her und Auf und Ab immer die Linie im Auge zu behalten. Das Wichtigste dabei ist, dass sich alle Mitglieder des Verbandes angesprochen fühlen, mitzutun und mitzugestalten. Hier konkret: Wir suchen Mitgestalter in den Arbeitskreisen, wie z.B. im Fachbereich Normungsarbeit, der im Heft einen Appell dazu ausspricht.

 

Ihr Raimund Bücher