18. November 2016 Publiziert in News öffentlich geschrieben von 

Stellungnahme WFVD zu Perfluorhexansäure (PFHxA), deren Salze und Vorläufersubstanzen

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Wesseling, den 05. Juli 2016

 

 

                                                                                 

  

Stellungnahme im Rahmen der Öffentlichen Konsultation zur Erstellung einer RMO-Analyse für Perfluorhexansäure (PFHxA), deren Salze und Vorläufersubstanzen

  

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Der Bundesverband Betrieblicher Brandschutz – Werkfeuerwehrverband Deutschland (WFVD) versteht sich als Vertreter der Werk- und Betriebsfeuerwehren sowie der betrieblichen Brandschutzbeauftragten.

 

Bestimmte polyfluorierte Chemikalien sind hauptverantwortlich für die Wirkung von wasserfilmbildenden Schaumlöschmitteln wie z.B. AFFF, die zur Bekämpfung von großen Flächenbränden wie z.B. Tankbrände oder Brände in Auffangräumen benötigt werden. Sie stellen gleichzeitig eine Vorläufersubstanz der Perfluorhexansäure dar. Aus diesem Grund möchten wir zur oben erwähnten RMOA Stellung nehmen.

 

Die verschiedenen vertretenen Werke und Unternehmen halten je nach Gefahrenpotential unterschiedliche Arten und Mengen an Schaummittel vor. Die Bandbreite reicht von Werken mit ausschließlich fluorfreiem Schaummitteln bis hin zu einigen hundert Kubikmetern an Schaumlöschmittel mit Fluorverbindungen. Unter den fluorhaltigen Schaummitteln findet die Gruppe der sogenannten AFFF-Schaummittel (Aqueous Film Forming Foam) die meiste Verbreitung. Typische Mengen in Werken mit fluorhaltigen Schaummitteln sind 5-30m³ Schaummittel.

Die Gesamtkonzentration der in Betracht kommenden Perfluorverbindungen in Schaummitteln variiert je nach Schaummitteltyp und ist im Einzelnen nicht genau bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sie im Durchschnitt deutlich unter 100 mg/kg beträgt. Die Schaumlöschmittel werden nur im Einsatzfall verwendet und lagern bis dahin ohne Verwendung in mobilen und stationären Tanks.

 

Feuerwehren verwenden fluorhaltige Schaummittel zur Bekämpfung von Flüssigkeitsbränden. Die notwendigen Eigenschaften der Schaummittel sind dabei insbesondere eine schnelle Löschzeit und eine gute Rückbrandbeständigkeit. Bei sehr großen Flüssigkeitsbränden von einigen hundert Quadratmetern Fläche (wie z.B. bei Tankbränden oder Bränden in Auffangräumen) ist es oft nicht möglich den Löschschaum sanft aufzubringen und nicht alle Bereiche der brennenden Oberfläche sind leicht zu erreichen. Aus diesen Gründen sind gute Fließeigenschaften des Schaums erforderlich. Um diese Eigenschaften zu erreichen werden wasserfilmbildende Schaummittel (AFFF: Aqueous Film Forming Foam und FFFP: Film Forming Fluoroprotein Foam) eingesetzt. Sie bilden einen sehr dünnen wässrigen Film zwischen Schaum und brennbarer Flüssigkeit. Die Bildung dieses Wasserfilms basiert bei den neuesten Schaummitteltypen auf polyfluorierten Chemikalien mit einer Kettenlänge von C6. Perfluorhexansäure ist ein Abbauprodukt dieser polyfluorierten Chemikalien.

Bis jetzt ist es den Schaummittelherstellern nicht gelungen ein Schaummittel auf den Markt zu bringen, bei dem alle polyfluorierte Chemikalien durch fluorfreie Substanzen ersetzt sind und gleichzeitig die wasserfilmbildende Eigenschaft beibehalten wird. Zwar gibt es fluorfreie Schaummittel auf dem Markt, die bestimmte Normen erfüllen und auch Tests und Spezifikationen verschiedener relevanter Organisationen erfüllen. Diese eingesetzten Tests bestehen jedoch in der Regel aus kleinen Lachenbränden unterhalb von 10m². Die fehlende Wasserfilmbildung, mangelnde Erfahrung in Einsätzen und das Fehlen eines Leistungsnachweises bei großen Flächenbränden führen jedoch zu Zweifeln an der Übertragbarkeit der Standardtests auf große Flüssigkeitsbrände von einigen hundert Quadratmetern.

Aus diesen Gründen, muss geschlossen werden, dass es für große Lachenbrände zurzeit keinen ausreichenden Nachweis gibt, dass PFC enthaltende Schaummittel durch fluorfreie ersetzt werden können. Die Tatsache, dass die verwendeten polyfluorierten Chemikalien eine Vorläufersubstanz der Perfluorhexansäure bilden, bedeutet, dass auch die Verwendung dieser Stoffe in entsprechender Konzentration möglich sein muss.

  

Mit freundlichen Grüßen

  

Eike Peltzer

Vorsitzender Arbeitskreis Schaummittel des WFVD

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